Ich habe meinen Puppen vorgesprochen, mit meinem tragbaren Kassettenrekorder, mit dem kleinem integrierten Mikrofon, abertausende eigene Radioshows aufgenommen, meiner Mutter, ohne ein Wort lesen zu können, spannende Geschichten aus Büchern vorgetragen.

Sprechen und ich, dass ist wie Pommes mit Mayo. Kuchen mit Sahne. Zigarette zum Kaffee. Ihr wisst worauf ich hinaus will! Sprechen und ich, wir gehören einfach zusammen!

Damals durfte ich von einem Lesewettbewerb in den Nächsten ziehen, mir ging es dabei nie wirklich um’s gewinnen. Ich war noch nie der ehrgeizige Wettkampftyp, leider! Ich wollte immer nur eins, meine Zuhörer mit den unterschiedlichsten, verrücktesten, geheimnisvollsten und leidenschaftlichsten Weisen in die Welt der Sprache und Literatur entführen.

Mein Stimmtimbre zu beschreiben ist leicht, es ist stark, warm, rau, weich, frisch,  frech, seriös, trendig, eben facettenreich. Mich dagegen vorzustellen ist es weniger. Ich habe mich letztens mal ausführlich mit der Temperamentenlehre befasst, man sollte schließlich wissen welcher Typ man ist, auch schon wegen der Wahl seiner Beziehungen.

Für alle die es nicht kennen, es ist die älteste, bekannteste Persönlichkeitstypologie von Hippokrates von Kos , 400 v.Chr. 

Dabei musste ich feststellen, dass ich alles bin : Sanguiniker, Phlegmatiker, Melancholiker und Choleriker. 

Choleriker, Melancholiker, Phlegmatiker und Sanguiniker

Ja, dass diese Temperamente verschmelzen ist wohl schon weit verbreitet, allerdings betrifft dies meistens zwei Komponenten. Bei mir kann ich definitiv sagen, ich bin sie alle. Kein Scheiss.

Und dann ging mir ein Licht auf. Vielleicht bin ich gerade deshalb Sprecherin geworden. Ich kann mich in jede Gefühlslage hineinversetzen, wie ein Chamäleon, das seine Farben wechselt. Nur ich wechsle Stimmungen.

Ich bin hab jetzt keine multiple Persönlichkeitsstörung oder bin Schauspielerin, wäre ich gern, also Schauspielerin. Hab ich aber nun mal nie gelernt. 

Brauchte ich eigentlich auch nie, denn der Empathie – Einfühlungsmodus liegt mir im Blut. Einfach so. Und weil ich keine Psychologin geworden bin, weil ich echt nicht gut mit Schicksalen umgehen gehen kann (Melancholiker und so.. ) bin ich nun mal Sprecherin und das mit Leidenschaft, die man hören kann!